happy day

 

 

Wein

Bodega Can Feliu

 

 Mediterrane Tradition, Innovation, Natur und ökologische Weinproduktion vom Feinsten – das sind die Eckpfeiler auf denen die Bodega Can Feliu steht. Doch wussten Sie, dass Winzer Carlos Feliu zur Weinproduktion kam wie die Jungfrau zum Kind und das er für den Verkauf der edlen Tropfen zu ungewöhnlichen Kniffen greift?

Porreres ist nicht gerade der Nabel der Welt – auch nicht Mallorcas. Eng und heimelig präsentieren sich die alten Gassen. Als ich die kleine Stadt im Herzen der Insel hinter mir lasse bin ich nach gut einem Kilometer auf der Bodega Can Feliu. Das ist Natur pur. Das Gut, das über ein offizielles Öko-Zertifikat verfügt, ist von Affenbrot-, Feigen- und Mandelbäumen umgeben. Die Gebäude stammen aus dem 17. Jahrhundert. Alles ist liebevoll und ursprünglich saniert und ständig trifft man auf Rinder, Strauße, fette schwarze mallorquinische Schweine, Hühner, und Pferde.

Eigentlich hat Carlos Feliu Wein ausschließlich angebaut – und das genau so lange, bis im Jahre 2004 eine vermeidliche Katastrophe sein Leben veränderte. Eine knappe Woche vor der Weinlese trat der Käufer der reifen Trauben von der Abmachung zurück. Kurz entschlossen sprang Feliu als studierter Agraringenieur und Önologe ins kalte Wasser und rüber zu den Produzenten. Feliu grinst mich an und sagt: „ Es waren gerade mal vierzehn Stunden nach der schlechten Nachricht vergangen, da kaufte ich einen einzigen Produktionstank und drei hochwertige Barriquefässer und begann zu produzieren.“ Als Carlos Feliu mir davon erzählt, blitzen seine mitreißenden schwarzen Augen und Goethe hatte schon irgendwie recht: Das Außergewöhnliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichen Wege.

Kurz darauf wurde sein erster Wein bei einer Blindverkostung zum besten jungen Wein des Jahres prämiert. Seitdem ist der Wein-Enthusiast seinen Prinzipien treu geblieben: Spitzenprodukte, ausschließlich eigener Anbau, alles ökologisch. Maximal 50.000 Liter produziert die Bodaga auf ihren rund 30 Hektar Land und ab 2011 tragen die edlen Tropfen von Can Feliu das „Label of Demeter“. Ein geschütztes Markenzeichen unter dem nach anthroposophischen Prinzipien biodynamisch erzeugte Produkte verkauft werden. Carlos Feliu baut nicht nur selbst Ökowein an – er lässt auch seine Kunden Winzern. Wollen Sie wissen wie es sich anfühlt, den eigenen Wein zu keltern und Traubenmischungen, Reifedauer und Holztyp für die Fasslagerung selbst zu kreieren? Dafür hat Feliu das Projekt „Tu Crianza“ – Du entscheidest – ins Leben gerufen. Den Anbau, die Lese, die Produktion – sprich – all die Arbeit übernimmt der Winzer. Wenn ich mir ein Barriquefass kaufe, kostet mich das zwischen 2.000 und 2.500 Euro. Darin sind gut 300 Flaschen Wein und die genau nach meinem Geschmack. Bereits rund sechzig Kunden haben sich für diesen ungewöhnlichen Weineinkauf entschieden.

Wein

unsere Journalistin Imke M. Lentz mit Winzer Carlos Feliu

 

Ehrlich, ich liebe unsere Serie über die Bodegas. Nach kürzester Zeit habe ich mich auf Can Feliu Zuhause gefühlt. Katzen streichen um meine Beine, Carlos und seine Frau Marta sind so was von herzlich und die drei Jungs (4, 3 und 1 Jahr alt) toben um uns herum, während wir lachen und miteinander reden – dazu gibt es einen edlen Rebensaft. In einigen mallorquinischen Dörfern heißen die Weinläden noch heute Can Vinagre – Essighaus. Hier war es damals üblich einen richtigen Schädelspalter in Plastikflaschen abgefüllt zu bekommen, als so einen erstaunlichen Tropfen wie den purpurnen, erdigen Capxerigany  oder den kirschroten Binerbo. Wir scherzen, fachsimpeln über Wein und der Tag endet, als die Dämmerung aufzieht.  Mein persönlicher Favorit des Tages ist der Alé Merlot 2006. Dieser Wein ist schwer, fast schwarz und schmeckt dabei überraschend mild und harmonisch – wie Poesie in Flaschen. Doch Vorsicht – Poesie, die einen mit satten 15 Prozent Alkoholgehalt sanft und zufrieden aus den Socken kippen kann.

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